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22.07.2026

Präzision bei der Beurteilung, Qualität bei der Behandlung

Der klinische Blick, der den Unterschied ausmacht
Das interRAI HC-Assessment ist kein bloßes Verwaltungsinstrument, sondern eine grundlegende klinische Hilfe für eine genaue Bedarfsermittlung der Person. Von einer korrekten Kodierung hängen die Qualität der Pflegeplanung, der klinische Entscheidungsprozess und die optimale Nutzung der Ressourcen des Klienten ab. Zu den wichtigsten Abschnitten des interRAI-HC-Systems gehört der Abschnitt G – Körperliche Funktionsfähigkeit, in dem wesentliche Informationen erfasst werden, um den Grad der Selbstständigkeit der Person zu erfassen und ihr Genesungspotenzial zu ermitteln. G1 – IADL: Unterscheidung zwischen Leistungsfähigkeit und Fähigkeiten Im Abschnitt zu den instrumentellen Aktivitäten des täglichen Lebens (IADL) wird jede Aktivität aus zwei verschiedenen Perspektiven bewertet. Tatsächliche Leistung: das, was die Person in den letzten drei Tagen tatsächlich geleistet hat. Vermutete Leistungsfähigkeit: das, was die Person theoretisch tun könnte, wenn die Umstände es erfordern würden. Diese Unterscheidung ermöglicht es, eventuell noch vorhandene, aber ungenutzte Ressourcen zu identifizieren. Wenn die Fähigkeit höher ist als die beobachtete Leistung, können sich Möglichkeiten für rehabilitative Maßnahmen und die Förderung der Selbstständigkeit durch gezielte Betreuungsmaßnahmen ergeben. G2 – ADL: Beobachten, was tatsächlich geschieht Bei den Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL) wie Essen, Körperpflege und Ankleiden gilt ein anderes Prinzip. Die Kodierung muss sich ausschließlich auf die in den letzten drei Tagen tatsächlich beobachtete Leistung stützen. Es wird nicht erfasst, was die Person tun könnte, sondern was sie tatsächlich getan hat. Bei Abweichungen zwischen verschiedenen Beobachtungen muss sich die Bewertung auf die drei Gelegenheiten beziehen, bei denen der höchste Grad an Abhängigkeit festgestellt wurde. Dieser Ansatz gewährleistet eine getreue Darstellung der klinischen Situation und macht die Bewertung zuverlässiger. Warum ist eine genaue Kodierung so wichtig? Jeder in das interRAI HC-Assessment eingegebene Wert trägt zur Erstellung des klinischen Profils der Person bei. Eine korrekte Kodierung ermöglicht es dem System: - validierte Skalen wie die ADL-Skala oder die kognitive Skala zu berechnen, die den Zustand des Klienten objektiv beschreiben; - die Clinical Assessment Protocols (CAP) korrekt zu aktivieren – Instrumente, die Risiken, Probleme und Potenziale aufzeigen, die während der Betreuung vertieft untersucht werden sollten. Eine ungenaue Bewertung kann hingegen dazu führen, dass Pflegebedürfnisse unterschätzt, noch verfügbare Ressourcen nicht erkannt oder die Qualität des gesamten Pflegeplans beeinträchtigt werden. Genauigkeit verbessert die Qualität der Pflege Hinter jeder Kodierung steht eine klinische Entscheidung. Die korrekte Unterscheidung zwischen Fähigkeiten und Leistung bedeutet, das Potenzial der Person zu fördern, die Maßnahmen angemessen auszurichten und einen wirklich individuellen Pflegeplan zu erstellen. Eine sorgfältige Beurteilung ist der erste Schritt, um eine qualitativ hochwertige Pflege zu gewährleisten, die Selbstständigkeit der Klienten zu fördern und klinische Entscheidungen auf der Grundlage zuverlässiger Daten zu unterstützen.